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Mehr als 500 Unternehmer und Berater informieren sich über Förder­möglichkeiten für den Mittelstand

Gastredner Gregor Gysi spricht über Europa zwischen der Chance auf einen Neustart und der Gefahr weiterer Zerfallsprozesse | Digitalisierung und Innovationen waren Schwerpunkte des L-Bank-Wirtschaftsforums in Baden-Baden

Baden-Baden, 10.05.2019. Digitalisierung, Innovationen, Wege zur Verbesserung der Arbeitgeberattraktivität und die Frage, wie Projekte und Maßnahmen gezielt finanziell gefördert werden können, waren einige der Themen des L-Bank-Wirtschaftsforums in Baden-Baden. Mehr als 500 Besucher aus der gesamten Region nutzten am Freitag (10.05.2019) im Baden-Badener Kongresshaus die Möglichkeit, sich aus erster Hand zu informieren.

Darüber hinaus boten Vorträge, Diskussionen, Workshops und die Fachmesse Gelegenheit, sich in komprimierter Form über aktuelle Förder-möglichkeiten der Mittelstandsfinanzierung zu informieren und in der als Dialogplattform konzipierten Veranstaltung ausgiebig Networking zu betreiben. Veranstalter des Wirtschaftsforums, das zum ersten Mal in Baden-Baden stattgefunden hat, war die L-Bank als Förderbank des Landes zusammen mit der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg, der Handwerkskammer Karlsruhe sowie der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe.

Innovationsdruck in Zeiten chronischer Unsicherheit

In seiner Begrüßung hob der Vorsitzende des Vorstands der L-Bank, Dr. Axel Nawrath, hervor, dass sich aktuell zwar die konjunkturelle Stimmung eintrüben würde, sich die Unternehmen im Land aber sowohl in Krisen­zeiten als auch in Zeiten des Aufschwungs auf ihre Förderbank verlassen können: Landesweit konnte die L-Bank den baden-württembergischen Unternehmen in den letzten zehn Jahren Förderkredite in Höhe von 29 Milliarden Euro zur Verfügung stellen, davon 3,2 Milliarden im vergangenen Jahr. Trotz der europäischen und internationalen konjunk­turellen Risiken stehen die Südwest-Unternehmen nach wie vor gut dar. Das zeigt sich auch in der weiterhin guten Förderbilanz. Insgesamt, so Nawrath, flossen im Jahr 2018 in der Wirtschaftsförderung fast 200 Millionen Euro an Förderkrediten in die Region, annähernd 600 Unter­nehmen wurden unterstützt. Nawrath betonte, dass die mittelständischen Unternehmen derzeit unter erheblichem Innovationsdruck stehen. "Die technologischen Entwicklungen zwingen viele Unternehmen dazu, ihr Geschäftsmodell grundsätzlich zu hinterfragen“, so Nawrath.

„Die Zahl der Betriebe mit Digitalisierungs­projekten steigt schrittweise an, die Digitalisierung hat die Breite des Mittelstands erreicht.“ Nawrath sieht die kleinen und mittelgroßen Unternehmen dabei nicht nur strukturell gut gerüstet. Sie punkten auch mit dem Vertrauen, das ihnen entgegen­gebracht wird: „Was die L-Bank mit dem Mittelstand verbindet, ist das nachhaltige Handeln. Seit den 1920 Jahren stehen wir dem Land in der Förderung zur Seite. Unsere Aufgabenfelder haben sich im Lauf der Zeit zwar sukzessive verändert. Doch unser Anspruch bleibt unverändert: Wir wollen mit unserer Förderung Baden-Württemberg noch lebenswerter machen. In den letzten zehn Jahren haben wir über 85.000 Unternehmen im Land gefördert – das heißt etwa jedes fünfte Unternehmen. Ein Beleg für langen Atem und nachhaltige Standortentwicklung.“

Gastredner Gregor Gysi: „Menschen brauchen planbare Perspektiven“

Einen spannenden Blick in die Geschichte, vor allem aber auch in die Zukunft Europas richtete Gastredner Dr. Gregor Gysi. Der Bundestagsabgeordnete und Rechtsanwalt schilderte in seiner Keynote „Deutschland und Europa 30 Jahre nach dem Mauerfall – folgt der Vereinigung die Spaltung?“ eindrucksvoll mögliche politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen eines drohenden Auseinanderdriftens Europas und der europäischen Staaten. Dabei betonte Gysi, die EU stehe derzeit an einem Scheidepunkt zwischen der Chance auf einen Neustart oder einer Forcierung innerer und äußerer Zerfallsprozesse. „Die Politik kann der verbreiteten Verunsicherung nur Herr werden, wenn die Menschen wieder eine Perspektive für ein einigermaßen planbares Leben in sozialer und öffentlicher Sicherheit bekommen und der alte Grundsatz wieder Geltung erlangt, dass Eltern wissen, ihren Kindern wird es einmal besser gehen. Nur dann wird es auch gelingen, dass diejenigen, die scheinbar einfache Lösungen anbieten und einen nationalen Egoismus predigen, nicht weiter zunehmende Resonanz bekommen."

Talkrunde zu Herausforderungen und Chancen für die Region

In der anschließenden Talkrunde griffen Wolfgang Grenke, Präsident der IHK Karlsruhe, und Joachim Wohlfeil, Präsident der Handwerkskammer Karlsruhe die europa- und wirtschaftspolitischen Impulse von Gregor Gysi auf. In dem von der von der TV-Journalistin Hendrike Brenninkmeyer moderierten Gespräch diskutierten die Kammerpräsidenten die Herausforderungen für die heimischen Unternehmen. Dabei kamen die Entwicklungen der deutsch-französischen Beziehungen sowie die Folgen des sich immer weiter hinziehenden Brexit ebenso Sprache wie die konkreten Herausforderungen der regionalen Betriebe, beispielsweise dem Fachkräftemangel zu begegnen oder die sich bietenden Chancen neuer digitaler Geschäftsmodelle zu nutzen.

Best Practice für Unternehmer

Im Mittelpunkt des Wirtschaftsforums standen die Workshops für Unternehmer. Anhand aktueller Best-Practice-Beispiele stellten Förderexperten der beteiligten Banken sowie Firmeninhaber aus der Region vor, welche Chancen Internationalisierung bietet, wie maßgeschneiderte Lösungen zur Optimierung der Ressourceneffizienz aussehen, Betriebe digitaler und innovativer werden und wie mittelständische (Familien-)Unternehmen von den unterschiedlichen Finanzierungs- und Förderangeboten profitieren können. Zudem zeigten IHK und Handwerkskammer in einem gemeinsamen Workshop auf, wie die Arbeitgeberattraktivität gesteigert werden kann und neue Wege in der Nachwuchssicherung gegangen werden können.

Kolloquium: Innovationspotentiale optimal fördern

Parallel zu den Unternehmer-Workshops hatten sich fast 150 Steuerberater, Unternehmensberater und Finanzierungsfachleute zu einer Expertenrunde getroffen, um gemeinsam mit Guy Selbherr, Vorstand der Bürgschaftsbank und Geschäftsführer der MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg, und Johannes Heinloth, Mitglied des Vorstands der L-Bank, über aktuelle Trends in der Mittelstandsfinanzierung zu diskutieren. Ein besonderes Augenmerk galt dabei dem Aspekt, wie man Innovationspotentiale im Mittelstand optimal fördern könne, um so den Strukturwandel aktiv zu begleiten.

Fachmesse und Networking

Umrahmt wurde das Wirtschaftsforum von einer Fachmesse mit rund 30 meist regionalen Ausstellern zu den Themen Finanzierung und Förderung, Digitalisierung, Ressourceneffizienz und Schutz vor Wirtschaftsspionage.

Hintergrund

Die L-Bank Wirtschaftsforen werden seit 2006 jährlich in wechselnden Regionen des Landes ausgerichtet. In Baden-Baden fand das Wirtschaftsforum in diesem Jahr zum ersten Mal statt. Die gemeinsam mit der Bürgschaftsbank und den regionalen Wirtschaftskammern organisierten Veranstaltungen dienen als Plattformen des Dialogs zwischen mittelständischen Unternehmen, Banken und Beratern. Ziel ist die neutrale und praxisorientierte Beratung zu Finanzierungsfragen des Mittelstands.