Hanser Bäck: Wer Glück hat, darf anstehen

Wer beim Hanser Bäck in Stuttgart anstehen muss, ist darüber nicht böse. Im Gegenteil: Durch ein großes Panoramafenster in die Produktion können die Kunden live beobachten, wie aus Zutaten und Teig Brote und Brezeln entstehen. Genau so hat sich das Maximilian Weber vorgestellt. Er konnte das Unternehmen im Jahr 2018 mit Hilfe des L-Bank-Förderprogramms Gründungsfinanzierung übernehmen. Dabei haben er und seine Lebensgefährtin Laura Futschik bewiesen, dass sich eine wohlüberlegte Schritt-für-Schritt-Übernahme und große Pläne für die Zukunft nicht ausschließen müssen.

Heutzutage wird ja alles und jedes bewertet. Warum also nicht auch eine gute Bäckerei in einem Vergleichsportal suchen? Unter „Wer-kennt-den-besten“ findet sich in der Stuttgarter Bestenliste auch der „Hanser Bäck“ in der Schwabstraße 57. Ein Besuch lohnt sich gerade zu Stoßzeiten. Wer auf Brot, Brezeln, Snacks und viele weitere Spezialitäten wartet, erhält dank großem Panoramafenster spannende Einblicke in die Produktion. Hier kann man Bäckerhandwerk pur und live erleben: Mehr als 20 Mitarbeiter – darunter zwei Auszubildende – kneten, portionieren, formen und backen alle Produkte, die im Verkaufsraum über die Ladentheke gehen. „Die Kunden sind oft überrascht, uns so arbeiten zu sehen, und freuen sich darüber“, erzählt Maximilian Weber, der das Unternehmen 2018 übernommen hat. Wovon sich die Kunden überzeugen können: „Wir machen alles selbst, verwenden keine Fertigprodukte, arbeiten mit langer Teigführung und achten auf hochwertige Rohstoffe.“

Einmal eine eigene Bäckerei zu leiten, das wurde Maximilian Weber als ältestem Sohn einer Bäckerfamilie nur scheinbar in die Wiege gelegt. „Einfach das Unternehmen meiner Eltern zu übernehmen, war nicht mein Weg in die Selbstständigkeit“, erinnert sich der 28-Jährige. Erst nachdem ein Bruder die heimische Nachfolge angetreten hatte, konnte er seinen eigenen Weg gehen. In München lernte er das Bäckerhandwerk, erwarb den Meisterbrief und wurde „Betriebswirt des Handwerks“. Schließlich betreute er in Stuttgart für einen Großbetrieb das Personal in zwölf Filialen, was ihn bis heute als Arbeitgeber prägt. „Die Mitarbeiter sollen nicht nur einfach ihren Job machen“, ist sein Standpunkt in Sachen Personalführung. „Sie sollen Verantwortung übernehmen und gerne hier arbeiten.“ Dazu gehört auch der gemeinsame Besuch von Veranstaltungen oder die Teilnahme an Teamspielen wie "Lasertag".

So wie Maximilian Weber nimmt auch seine Lebensgefährtin Laura Futschik, mit der er den Betrieb führt, beim Kauf neuer Maschinen die Meinung der Mitarbeiter mit in ihre Entscheidungsfindung auf. „Denn sie müssen schließlich später damit arbeiten.“ Die 23-Jährige stammt wie ihr Partner aus einer Unternehmerfamilie: Der Vater ist Messebauer, die Mutter Dekorateurin. Als gelernte Konditorin absolviert sie derzeit "nebenher" die Meisterschule und plant die innovativen Backwaren der Zukunft: „Wir arbeiten gerade an neuen Croissants, beispielsweise mit Erdnussbutter-Nutella- oder Apfel-Karamell-Geschmack“, verrät sie.

Doch wie übernimmt man nun konkret eine Bäckerei? Dass es für die Finanzierung der Übernahme ein Förderprogramm der L-Bank gibt, wusste Maximilian Weber schon von seinem Vater. Er ließ sich zusätzlich über den Berater der Volksbank Main-Tauber ausführlich informieren und erkundigte sich auch selbst bei der Hotline der L-Bank. Mit dem Programm Gründungsfinanzierung fördert die L-Bank Existenzgründungen, Übernahmen sowie Vorhaben junger Unternehmen bis zu fünf Jahre nach der Gründung mit zinsvergünstigten Darlehen. „Die Antragstellung über die Hausbank verlief völlig problemlos“, erinnert sich der Jungunternehmer.

Die Übernahme selbst ging das Paar in kleinen Schritten an. „Die Bäckerei hatte bei der Übernahme eine feste Stammkundschaft“, erläutert Maximilian Weber ihre Strategie. „Die wollten wir uns erhalten.“ Deshalb waren die beiden mit Veränderungen am Sortiment zunächst vorsichtig und konzentrierten sich in den ersten Monaten auf die Produktion, überholten nach und nach den bestehenden Maschinenpark, und optimierten die Prozesse.

Doch der behutsame Einstieg bedeutet nicht, dass die beiden keine Pläne für ihren Betrieb hätten, im Gegenteil. „Man braucht Durchhaltevermögen und Ehrgeiz“, ist Laura Futschik überzeugt. Nach und nach sollen neue Waren das Sortiment auffrischen. Den Gastronomiebereich wollen sie mittelfristig auch als Abend-Café mit Bier und Wein nutzen, Events mit jungen Musikern und Ausstellungen mit Künstlern sollen das Angebot ergänzen.