Gründungspanel

Gründer aus Baden-Württemberg streben nach Wachstum und Internationalisierung

IAB/ZEW-Gründungspanel unterstreicht: Die Start-Ups aus dem Südwesten zeigen sich im Bundesvergleich überdurchschnittlich wachstums-, export- und investitionsorientiert. |Anlässlich des am Montag (8. Juli) in der L-Bank-Rotunde in Stuttgart stattfindenden Landesfinales des Gründungswettbewerb „Start-up BW Elevator Pitch“, erläuterte Dr. Axel Nawrath, Vorsitzender des Vorstands der L-Bank, die wichtigsten Ergebnisse der Auswertung des Gründerpanels.

Stuttgart, 8. Juli 2019. Seit 2015 erstellt das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim (ZEW) im Rahmen seines bundesweiten IABInstitut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit/ZEW-Gründungspanels im Auftrag der L-Bank jährlich eine Sonderstichprobe für Baden-Württemberg.

Die Stichprobe liefert Informationen über die Struktur und Entwicklung junger Unternehmen und Gründungen im Land. Auch in diesem Jahr zeigt die Untersuchung spannende Ergebnisse: So sind Gründungen aus dem Südwesten im Vergleich zum Rest Deutschlands deutlich häufiger im Hightech-Bereich angesiedelt. Außerdem spielen Gründer mit ausländischer Herkunft hierzulande eine große und wachsende Rolle.

Frage: Herr Dr. Nawrath, was sind aus Ihrer Sicht die zentralen Erkenntnisse, die sich aus der aktuellen Ausgabe des Gründungspanels für Baden-Württemberg ableiten lassen?

Antwort: Die Statistik zeigt, dass die Gründer in Baden-Württemberg überdurchschnittlich wachstums- und exportorientiert sind. Entsprechend haben sie auch einen vergleichsweise hohen Finanzierungsbedarf für Investitionen und sind häufig in den besonderes innovativen Hightech-Sektoren unterwegs. Insofern ist die Gründerszene – wenn man das so sagen darf – richtig unterwegs, nämlich zukunftsorientiert. Zudem stellen wir fest, dass die Gründer im Land im Vergleich zum Rest Deutschlands finanziell sehr solide aufgestellt sind. Das kann etwas mit der guten gesamtwirtschaftlichen Situation im Südwesten zu tun haben. Aber viel deutet auch darauf hin, dass sie im Südwesten eine Menge Potenzial mitbringen und den Ehrgeiz haben, sich mittelfristig zu etablieren, also sich zu Mittelständlern zu entwickeln und eben nicht dazu neigen, ein Unternehmen über Umsatzzahlen sehr schnell zum Wachstum zu bringen und es dann so bald wie möglich zu verkaufen.

Frage: Was motiviert Menschen aus Baden-Württemberg zum Gründen?

Antwort: Wir haben das über viele Jahre beobachtet: Die Gründer in Baden-Württemberg sind vor allen Dingen motiviert, selbstständige Unternehmer zu sein und eine Geschäftsidee zu verwirklichen. Man kann dies als die DNA des Südwestens bezeichnen. Auch die Ausgangsposition ist eine andere. In Baden-Württemberg haben zum Beispiel lediglich 13 Prozent der Jungunternehmen eine Förderung der Bundesagentur für Arbeit erhalten, in anderen Bundesländern sind das fast 20 Prozent. Nur sehr selten sind Gründungen hierzulande „aus der Not geboren“. Diese Fakten sind für die Gründerszene in Baden-Württemberg und damit auch die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung des Landes schon sehr aufschlussreich und bemerkenswert.

Frage: Können aus den Ergebnissen der Studie auch Aussagen zur Struktur der Gründerlandschaft getroffen werden?

Antwort: Die Branchen- und Berufserfahrung, die die Gründer mitbringen, ist in Baden-Württemberg ähnlich wie auf Bundesebene sehr groß. Interessant ist, dass wir – und das hat vielleicht auch etwas mit unserer Integrationskultur zu tun – einen signifikant höheren Anteil an Gründer-teams haben, an denen mindestens eine Person ausländischer Herkunft beteiligt ist. Das zeigt, dass die Integration hier im Südwesten auch wirtschaftlich funktioniert. Was den weiblichen Anteil am Gründungs-geschehen angeht, haben wir hingegen noch ein bisschen Arbeit vor uns. Aktuell sind lediglich an einem Viertel aller Gründungen Frauen beteiligt. Der niedrige Frauenanteil ist aber nicht südwestspezifisch, sondern ist leider typisch für ganz Deutschland.

Frage: Nehmen die Gründer die Förderangebote auf Landesebene in Anspruch?

Antwort: Ich glaube, man kann mit Fug und Recht sagen, dass wir als L-Bank und auch mit der Bürgschaftsbank zusammen von den Gründern stark nachgefragt werden. Unter den Landesförderinstituten in Deutsch-land hat die L-Bank diesbezüglich eine herausgehobene Stellung. Mit unseren Programmen haben wir im letzten Jahr knapp 2.800 Gründer mit einem Volumen von über 600 Millionen Euro gefördert. Das zeigt, dass wir Programme haben, die auf die Bedürfnisse der Gründer zugeschnitten sind und deswegen auch nachgefragt werden.

Hintergrund

Zur Erfassung der Merkmale der aktuellen Start-ups und deren Gründungsprofilen erstellt das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der L-Bank im Rahmen seines bundesweiten IAB/ZEW-Gründungspanels jedes Jahr eine zusätzliche Sonderstichprobe für Baden-Württemberg. So konnte ein regional fokussiertes Gründungspanel aufgebaut werden, das detaillierte Rückschlüsse auf die Besonderheiten der Gründungslandschaft im Südwesten zulässt.