Interview mit Edith Weymayr

Konjunktur im Südwesten: Leichte Stabilisierung, aber keine Trendwende

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Der L-Bank-ifo-Geschäftsklimaindex hat sich im zweiten Quartal leicht verbessert, bleibt aber weiter tief im negativen Bereich. Die konjunkturelle Schwächephase in Baden-Württemberg hält  an.

L‑Bank-Vorstandsvorsitzende Edith Weymayr: „Der Geschäftsklimaindex liegt sektorübergreifend seit nunmehr drei Jahren im negativen Bereich - eine beispiellose Durststrecke. Die Wirtschaft im Südwesten bleibt somit insgesamt in einer Phase der Unsicherheit und Schwäche. Aber es gibt durchaus auch positive Signale, die zeigen, dass sich die Lage stabilisieren könnte."

Karlsruhe, 09.07.2026. Die konjunkturelle Schwächephase in Baden-Württemberg hält weiter an. Seit inzwischen drei Jahren liegt der L‑Bank‑ifo‑Geschäftsklimaindex im negativen Bereich – ein Zeichen für die anhaltend schwierige Lage der Südwestwirtschaft. Auch im zweiten Quartal 2026 hat sich die Stimmungslage nur leicht verbessert: Der Index stieg von ‑16 Punkten im März auf nun ‑14 Punkte. Während sich die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage im zweiten Quartal etwas aufgehellt hat, bleiben die Erwartungen der Unternehmen für die zweite Jahreshälfte von Pessimismus geprägt.

Wir haben mit Edith Weymayr, der Vorstandsvorsitzenden der L-Bank, einen Blick auf die konjunkturelle Stimmungslage zum Ende des ersten Halbjahres geworfen.

Frage: Frau Weymayr, wie hat sich die Stimmung der Südwestunternehmen im zweiten Quartal entwickelt? Gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Wirtschaftsbereichen?

Antwort:  Wir haben im zweiten Quartal ein uneinheitliches Bild gesehen – mit Lichtblicken in einigen Bereichen, aber ohne echte Trendwende. Zwar hat sich die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor etwas verbessert, doch das geschieht weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau. Gleichzeitig war eine weitere Eintrübung im Einzelhandel und im Bausektor zu beobachten. Der entscheidende Punkt ist: Der Geschäftsklimaindex liegt sektorübergreifend seit nunmehr drei Jahren im negativen Bereich - eine beispiellose Durststrecke. Die Wirtschaft im Südwesten bleibt somit insgesamt in einer Phase der Unsicherheit und Schwäche.

Frage: Gibt es angesichts dieser insgesamt schwierigen Lage dennoch Hoffnungsschimmer für die kommenden Monate?

Antwort: Es gibt durchaus auch positive Signale, die zeigen, dass sich die Lage zumindest stabilisieren könnte. So rechnet das ifo‑Institut für Deutschland im Jahr 2026 mit einem Wirtschaftswachstum von immerhin 0,8 Prozent. Das zeigt: Eine leichte Erholung ist grundsätzlich möglich. Allerdings muss man auch sehen, dass dieses Wachstum in hohem Maße auf zusätzliche staatliche Ausgaben – insbesondere für Infrastruktur, Klimaschutz und Verteidigung – zurückzuführen ist und damit gewissermaßen teuer erkauft wird. Positiv ist zudem der Blick auf Baden-Württemberg selbst: Das Land gehörte im ersten Quartal 2026 mit einem Wachstum von 0,8 Prozent zu den dynamischeren Bundesländern, was vor allem auf einen starken Jahresstart der Industrie zurückzuführen ist.

Frage: Die baden-württembergische Wirtschaft ist stark vom Export abhängig. Wie stellt sich hier aktuell die Lage dar?

Antwort: In unserer L‑Bank-ifo-Konjunkturumfrage haben sich die Exporterwartungen der Industriebetriebe zuletzt eingetrübt und sind auf den tiefsten Stand im bisherigen Jahresverlauf gesunken. Die Unternehmen rechnen also tendenziell eher mit nachlassenden Auslandsgeschäften in den kommenden Monaten. Besonders auffällig ist die Entwicklung in der Automobilindustrie, wo sich die Stimmung zuletzt merklich verschlechtert hat. Gleichzeitig gibt es aber auch hier eine zweite Seite: Die tatsächlichen Exportzahlen im ersten Quartal sind durchaus positiv ausgefallen. Mit über 64 Milliarden Euro lagen die baden-württembergischen Ausfuhren nach Angaben des Statistischen Landesamtes um 4,6 Prozent über dem Vorjahresniveau. Allerdings zeigt sich hier eine Verschiebung: Während wichtige Märkte wie die USA und China schwächeln, gewinnen innereuropäische Absatzmärkte wie die Schweiz oder das Vereinigte Königreich an Bedeutung.

Frage: Zum Abschluss noch ein Blick auf die Privathaushalte: Wie haben sich Inflation und Verbraucherstimmung im zweiten Quartal entwickelt?

Antwort: Bei der Inflation sehen wir aktuell eine leichte Entspannung: Im Juni ist die Teuerungsrate in Baden-Württemberg auf 2,1 Prozent zurückgegangen, nachdem sie im April noch bei 2,6 Prozent lag. Ausschlaggebend dafür waren vor allem gesunkene Rohölpreise sowie staatliche Maßnahmen wie der Tankrabatt. Allerdings kommt diese Entlastung bei vielen Haushalten im Südwesten bislang offenbar nur begrenzt an. Das subjektive Inflationsempfinden – gemessen durch das GfK-Preisklima – ist im zweiten Quartal deutlich gestiegen und liegt auf einem Niveau, das zuletzt vor mehr als drei Jahren zu beobachten war. Hinzu kommt, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt bereits seit einiger Zeit eintrübt. Vor allem im Produzierenden Gewerbe ist die Beschäftigung spürbar rückläufig, was die wirtschaftliche Unsicherheit vieler Haushalte zusätzlich erhöht. Damit dürfte der private Konsum vorerst ein Schwachpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung bleiben.

Hintergrund:

Für den L‑Bank-ifo-Konjunkturbericht werden monatlich über 1.200 Unternehmen zu ihrer Einschätzung der aktuellen Geschäftslage sowie ihren Erwartungen für die nächsten sechs Monate befragt. An der L‑Bank-GfK-Verbraucherumfrage zur Ermittlung des Preis-, Konjunktur-, Einkommens- und Anschaffungsklimas beteiligen sich in der Regel rund 300 Privatpersonen.

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    Die konjunkturelle Schwächephase in Baden-Württemberg hält weiter an. Seit inzwischen drei Jahren liegt der L‑Bank‑ifo‑Geschäftsklimaindex im negativen Bereich. Auch im zweiten Quartal 2026 hat sich die Stimmungslage nur leicht verbessert. Wir haben mit Edith Weymayr, der Vorstandsvorsitzenden der L-Bank, einen Blick auf die konjunkturelle Stimmungslage zum Ende des ersten Halbjahres geworfen.

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