Der Blick auf die Zeitreihenentwicklung macht deutlich: Gründungsförderung benötigt Konstanz und einen langen Atem

Weniger High-Tech-Unternehmensgründungen in Baden-Württemberg - Ergebnisse des Gründungspanels 2024

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Nach wie vor liegt Baden-Württemberg bei den High-Tech-Gründungen zwar über dem Bundesdurchschnitt (7,0 Prozent), die Quote ist aber rückläufig. 7,1 Prozent der von 2021 bis 2024 gegründeten Unternehmen in Baden-Württemberg zählten 2024 zu den technologienintensiven Dienstleistungsunternehmen und zum forschungsintensiven Verarbeitenden Gewerbe. 2023 betrug der Anteil 7,4 Prozent, 2022 waren es sogar noch 8 Prozent.

Karlsruhe, 02.10.2026. Alljährlich erhebt das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der L‑Bank Daten junger Unternehmen, die nicht älter als vier Jahre sind. Aus der Langzeitbetrachtung ausgewählter Kenndaten lassen sich Tendenzen und Trends ablesen, die für die wirtschafts- und förderpolitische Steuerung von Bedeutung sind. Die Daten für das aktuelle Gründungspanel sind aus dem Jahr 2024 und beziehen sich auf die Gründungsjahrgänge 2021 bis 2024, also die Basis der jungen Unternehmen von heute. Deutschlandweit wurden rund 5.000 Unternehmen befragt, davon mehr als 800 aus Baden-Württemberg.

Dienstleistungssektor verzeichnet die meisten Gründungen

Mehr als drei Viertel der baden-württembergischen Jungunternehmen (78,2 Prozent, Vorjahr: 77,3 Prozent) sind Gründungen im nicht-technologieintensiven Dienstleistungssektor. Dieser Sektor ist der einzige, der im Vorjahresvergleich (Gründungen zwischen 2020 und 2023) zugelegt hat. Neben den Gründungen in technologie- und forschungsintensiven Branchen sind auch Gründungen im nicht-forschungsintensiven Verarbeitenden Gewerbe (3,8 Prozent, Vorjahr: 4,2 Prozent) sowie im Baugewerbe (10,9 Prozent, Vorjahr: 11,1 Prozent) anteilsmäßig zurückgegangen. Damit bestätigt sich der Trend der vergangenen Jahre mit rückläufigem Gründungsgeschehen in forschungsintensiven Branchen und in der verarbeitenden Industrie sowie steigenden Gründungszahlen im Dienstleistungssektor.

Innovationskraft und Export junger Unternehmen lassen etwas nach

Der Rückgang der High-Tech-Quote spiegelt sich auch in Innovationstätigkeit und Innovationserfolg der jungen Unternehmen wider. Mit 3,4 Prozent investierten die bis zu vier Jahre alten Gründungen 2024 deutlich weniger ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung als 2023 (5,3 Prozent). Im Bundesdurchschnitt waren es 3,1 Prozent (2024) und 4,9 Prozent (2023).

Auch der Prozentsatz der Unternehmen, die mindestens eine Marktneuheit präsentieren konnten, ging zurück: 1,5 Prozent gegenüber 6,2 Prozent im Vorjahr. Besonders auffällig war der Rückgang im technologieintensiven Dienstleistungssektor und in der Softwareentwicklung. Gründungen im forschungsintensiven Verarbeitenden Gewerbe präsentierten dagegen deutlich mehr Marktneuheiten als im Vorjahr. 24,2 Prozent bis zu vier Jahre alten Unternehmen (Vorjahr: 24,9 Prozent) etablierten eine Prozessinnovation. 28 Prozent und damit mehr Unternehmen als im Vorjahr (26,9 Prozent) brachten eine Produktinnovation auf den Markt.

Annähernd stabil blieb die Zahl der Unternehmen, die Umsätze erzielen konnten (91,3 Prozent 2024 gegenüber 90,8 Prozent 2023) oder sogar Gewinn machten (64,6 Prozent 2024 gegenüber 64,1 Prozent 2023). Der seit Jahren leidenden Exportwirtschaft folgend, lag allerdings der Anteil an exportierenden Unternehmen bei den Neugründungen mit 10,6 Prozent deutlich unter dem Anteil des Vorjahres (14,4 Prozent). Auch die durchschnittliche Höhe der Umsätze und Gewinne ging zurück.

Gründung ist immer öfter eine Antwort auf die schwache Konjunktur

Ein eigenes Unternehmen zu gründen, scheint in immer mehr Fällen eine direkte Antwort auf die anhaltend schwierige wirtschaftliche Lage und infolgedessen den angespannten Arbeitsmarkt zu sein. Immer mehr Gründerinnen und Gründer geben auf die Frage nach ihrem Hauptmotiv für die Unternehmensgründung an, dass sie darin einen Weg aus der Arbeitslosigkeit und bessere Verdienstmöglichkeiten sehen und es keine andere geeignete Beschäftigungsmöglichkeit für sie gebe (31,5 Prozent gegenüber 24,1 Prozent im Vorjahr). Eine konkrete Geschäftsidee (26,3 Prozent gegenüber 27,3 Prozent im Vorjahr) oder den Wunsch selbstbestimmter arbeiten zu können (42,3 Prozent gegenüber 48,7 Prozent im Vorjahr) nennen dagegen immer weniger als wichtigstes Gründungsmotiv.

Öffentliche Förderung bleibt wesentliche Finanzierung für erfolgreiche Unternehmensgründung

Mehr als jedes fünfte junge Unternehmen (27,9 Prozent, Vorjahr: 27,1 Prozent) in Baden-Württemberg nimmt in den ersten vier Jahren nach der Gründung öffentliche Fördermittel in Anspruch. 5 Prozent davon wenden sich an die Landesförderbanken (Vorjahr: 5,6 Prozent), 9,2 Prozent (Vorjahr: 7,1 Prozent) nehmen eine Bürgschaft der Bürgschaftsbank in ihrem Bundesland in Anspruch. Gefragtester Unterstützer ist die Bundesagentur für Arbeit (14,8 Prozent, Vorjahr: 12,7 Prozent).

Mit öffentlichen Fördermitteln decken junge Unternehmen 14,3 Prozent (Vorjahr: 15,6 Prozent) ihres externen Finanzierungsvolumens ab. Der große Rest des externen Finanzierungsvolumens wird über marktübliche Bankdarlehen, Wagnis- und Beteiligungskapitalgeber und über eigene Mittel erbracht.

Insgesamt finanzieren sich Gründungen mit steigender Tendenz über Fremdkapital, etwa ein Fünftel der Finanzierung wird über externe Quellen gedeckt, im Jahr zuvor waren es knapp ein Sechstel.

Hintergrund

Seit 2015 erstellt das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) gemeinsam mit dem Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) im Auftrag der L‑Bank eine Analyse des Gründungsgeschehens in Baden-Württemberg. Befragt werden dafür Unternehmen, deren Gründung nicht länger als vier Jahre zurückliegt. Erhoben werden neben Daten zur Branchenzugehörigkeit, regelmäßig auch Daten zur Gründungsmotivation, der Innovationskraft der jungen Unternehmen und ihrer Wirtschaftsleistung sowie der Förderung mit öffentliche Geldern.

  • Weniger High-Tech-Unternehmensgründungen in Baden-Württemberg – Ergebnisse des Gründungspanels 2024

    Nach wie vor liegt Baden-Württemberg bei den High-Tech-Gründungen zwar über dem Bundesdurchschnitt (7,0 Prozent), die Quote ist aber rückläufig. 7,1 Prozent der von 2021 bis 2024 gegründeten Unternehmen in Baden-Württemberg zählten 2024 zu den technologienintensiven Dienstleistungsunternehmen und zum forschungsintensiven Verarbeitenden Gewerbe. 2023 betrug der Anteil 7,4 Prozent, 2022 waren es sogar noch 8 Prozent.

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    Eingestellt am 02.10.2026
    Gültig ab 02.10.2026
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