Landespreis 2026

Von Handwerk bis Hightech: Die Top-20 für den Landespreis für junge Unternehmen 2026 stehen fest

Aktualisiert am

Aus den Herausforderungen der Gegenwart schöpfen Gründerinnen und Gründer das Potenzial für die Geschäftsideen der Zukunft

Landespreis-Jury würdigt die Vielfalt erfolgreicher und engagierter Betriebe in Baden-Württemberg | Die Top-20-Unternehmen im Porträt

Stuttgart, 24.06.2026. Ob Sauerteigbrot, Brennstoff­zellen oder Weltraumraketen: Die Top-20 des Landes­preises für junge Unternehmen 2026 stehen für die beeindruckende Bandbreite und eine starke Innovationskraft, mit der erfolgreich gegründete oder übernom­mene Betriebe die Herausforderungen der Gegenwart anneh­men und die Chancen der Transformation nutzen. Von Handwerk bis Hightech wird die 16. Generation des Landespreises von Persönlichkeiten geprägt, die nicht nur wirtschaftlichen Erfolg anstreben, sondern zugleich Verantwortung über­nehmen: für eine zukunftsfähige, klimaneutrale Gesell­schaft, mit sozialem Engagement und nachhaltigem Wirtschaften.

Annähernd 450 Kandidatinnen und Kandidaten haben sich 2026 um den Landespreis für junge Unternehmen beworben. 20 von ihnen wurden in einem mehrstufigen Verfahren für die zweijährlich von der baden-württem­bergischen Landesregierung und der L‑Bank vergebene Auszeichnung nominiert. In einer finalen Runde präsentieren die besten zehn Betriebe Ende Juli ihre Geschäftsideen. Die hochrangige Jury entscheidet dann über die ersten drei Plätze.

Besonders spannend sind in diesem Jahr die Gründungspersönlichkeiten. Sie haben sich allein, mit Partnern oder im Team selbstständig gemacht – mit einer Neugründung oder der Übernahme eines bestehenden Unternehmens. Sie behaupten sich in traditionellen Branchen ebenso wie in der gemeinnützigen Wirtschaft oder auf hochspezialisierten Feldern der Bio- und grünen Techno­logien, der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz. Genau daraus schöpft die Wirtschaft im Südwesten ihre Stärke: aus der Vielfalt der Menschen und ihrer Ideen, mit denen sie Unternehmen gründen oder weiterentwickeln.

Bemerkenswert ist zudem die hohe Zahl an Ausgründungen aus den Universitäten bzw. an Gründungen, die aus Forschungsprojekten entstanden sind. Hier wurden wissenschaftliche Ergebnisse unmittelbar in wirtschaftlichen Erfolg und neue Arbeitsplätze überführt.

Alle Teilnehmenden haben ihr Unternehmen im Verlauf der letzten zehn Jahre gegründet oder übernommen. Sie haben ihren Betrieb nicht nur wirtschaftlich erfolgreich entwickelt, sondern waren und sind auch in gesellschaftlichen oder öko­logischen Belangen engagiert.

Die zehn besten Unternehmen werden am 12. November 2026 im Neuen Schloss in Stuttgart von Ministerpräsident Cem Özdemir, Schirmherr des Landespreises, und Edith Weymayr, Vorsitzende des L-Bank-Vorstands, ausgezeichnet. Der Landes­preis für junge Unternehmen zählt zu den bundesweit teilnahme­stärksten und renommiertesten Unternehmens­wettbewerben. Die drei Erstplatzierten er­halten Geldpreise in Höhe von 40.000 Euro (Platz 1), 30.000 Euro (Platz 2) und 20.000 Euro (Platz 3).

Die nominierten Unternehmen (alphabetische Reihenfolge):

  •  [p3]-Werkstatt gGmbH, Freiburg
  • Alithea Biotechnology GmbH, Freiburg
  • Batemo GmbH, Karlsruhe
  • Braun | project engineering GmbH, Altheim im Landkreis Biberach
  • Carrybots GmbH, Karlsruhe
  • Flip GmbH Stuttgart
  • GLOBE Fuel Cell Systems GmbH, Stuttgart
  • Health Data Technologies GmbH, Neckarsulm
  • HKK Bionics GmbH, Ulm
  • hTRIUS GmbH, Horb am Neckar
  • HyImpulse Technologies GmbH, Neuenstadt bei Heilbronn
  • KPG Rotating Solutions GmbH, Albbruck im Landkreis Waldshut
  • metergrid GmbH, Stuttgart
  • MICROQORE MEDICAL GmbH, Aach bei Konstanz
  • Picea Solutions GmbH, Offenburg
  • prenode GmbH, Karlsruhe
  • SAM-DIMENSION GmbH, Stuttgart
  • sutter³ GmbH & Co. KG, Freiburg
  • Till und Brot, Freiburg
  • Wasser 3.0 gGmbH, Karlsruhe

Porträts der Unternehmen (alphabetische Reihenfolge):

[p3]-Werkstatt gGmbH, Freiburg

Gemeinnützig und erfolgreich

Angefangen hat alles mit einem kleinen Projekt für Kinder und Jugendliche aus dem benachbarten Flüchtlingswohnheim. „In der Holzwerkstatt der Evangelischen Stadtmission habe ich bemerkt, wie leistungsbereit viele dieser Menschen sind“, blickt David Rösch auf seine Anfänge zurück. Aus dieser Erfahrung heraus gründete er die [p3]-Werkstatt gGmbH in Freiburg. Sie beschäftigt mittlerweile 12 Mitarbeitende sowie noch einmal die gleiche Zahl an Auszubildenden. „Menschen auszubilden und fit für den ersten Arbeitsmarkt zu machen, ist das eigentliche Ziel unseres Handwerks­betriebs“, so Rösch. Als gemeinnützige Ausbildungswerkstatt entwickelt und fertigt das [p3]-Team Möbel, Innenausbauten, Anbausysteme für Pflanzen sowie Aufbauten für Cargo-Bike-Anhänger. Rösch: „Wir sind am Markt erfolgreich und erwirtschaften 80 Prozent unseres Finanzbedarfs selbst.“ Der Rest wird von der Stadt Freiburg oder Förderern finanziert. Das Konzept will der Gründer nun auf andere Betriebe übertragen: „Jeder Betrieb könnte mit unserem Ansatz junge Menschen ausbilden und damit dem Fach­kräftemangel begegnen.“ Rösch plant zudem, das [p3]-Modell auf Betriebe ohne Nachfolge zu erweitern: „Mit ihrem Erhalt würden wir den gesell­schaftlichen Mehrwert noch einmal deutlich steigern.“

Alithea Biotechnology GmbH, Freiburg

Die KI hilft im Kampf gegen Krebs

Die Alithea Biotechnology GmbH ist ein führendes Start-up im Bereich der Immuntherapien gegen Krebserkrankungen. „Dabei werden die eigenen Abwehrkräfte der Patienten genutzt, um Krebszellen gezielt anzugreifen“, erläutert Fanny Alicia Giannou, Gründerin und Geschäftsführerin des Frei­burger Unternehmens. Ihre Vision: „Wir wollen dazu beitragen, den Krebs zu besiegen.“ Lange Zeit jedoch glich die Auswahl einer geeigneten Immun­therapie der Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen. Genau hier setzt das rund zehnköpfige Team an: Ziel ist es, mithilfe von KI schneller wirksame Immuntherapien zu finden als bisher. „Dafür verbinden wir auf unserer Plattform unsere biologische Expertise mit KI aus Baden-Württem­berg.“ Auf diese Weise lassen sich individuell für Patienten und Krebs­arten Immunreaktionen präzise vorhersagen und so die Identifizierung optimaler Therapien deutlich beschleunigen. Dazu genügen oft einfache Patienten­proben, auf deren Basis die wirksamste Immuntherapie gefunden wird. Zusätzlich nutzen Pharmaunternehmen die Plattform, um ihre Ent­wicklungs­prozesse effizienter zu gestalten und Kosten bei der Entwicklung von Medikamenten zu sparen.

Batemo GmbH, Karlsruhe

Aus eigener Kraft

Beide stammen aus Baden-Württemberg, studierten Elektrotechnik und Informationstechnik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), promovier­ten dort und gingen schließlich gemeinsam den Schritt in die Selbst­ständigkeit. „Unser Ziel war von Anfang an, ein Unternehmen zu schaffen, das langfristig besteht und Innovation mit Nachhaltigkeit ver­bindet“, erklären Dr. Michael Schönleber und Dr. Jan Richter ihre Motivation zur Gründung der Batemo GmbH in Karlsruhe. Im Mittelpunkt steht ein Zukunftsthema: die Langlebigkeit von Batterien. Seit Gründung im Jahr 2017 hat sich das Unternehmen als führender Anbieter von Batterie­simulations­software etabliert. Das rund 40-köpfige Team befasst sich mit der Frage, wie Batterien für eine möglichst lange Nutzungsdauer gebaut werden können. Dabei spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle – etwa das Design der Batterie­zellen, die Materialien von Komponenten wie Elektroden oder Elektrolyten, die optimale Verschaltung sowie die Frage nach der idealen Betriebs­temperatur. Die Simulationen ermöglichen es, Entwicklungsprozesse früher zu bewerten und systematisch verschiedene Auslegungsvarianten zu ver­gleichen. Das kann Entwicklungszeiten verkürzen und hilft, Ressourcen gezielter einzusetzen. Den Aufbau ihres Unternehmens haben die beiden Gründer aus eigener Kraft gestemmt. „Bis heute sind wir zu 100 Prozent unabhängig und vollständig kundenfinanziert“, betonen Schönleber und Richter.

braun project engineering GmbH, Altheim im Landkreis Biberach

„Die richtigen Dinge tun“

Dr. Anja Braun und ihr Mann Daniel Braun gründeten 2017 ihren Handwerks­betrieb mit dem Ziel, klassische Elektrotechnik mit digitaler Technologie zu verbinden. Das Team unterstützt unter anderem Immobilienbesitzer bei der Gebäudeautomation und Unternehmen bei der Umsetzung von Automatisie­rungsprojekten. „Unsere Lösungen sind, wann immer möglich, ökologisch sinnvoll und nachhaltig – etwa durch die Integration erneuerbarer Energien“, betont das Unternehmerpaar. Dabei gehe es nicht immer darum, Bestehen­des komplett neu zu erfinden: „Oft arbeiten wir mit minimalem Eingriff in vorhandene Systeme.“ Für Anja Braun zählt dabei nicht nur der unternehmerische Erfolg. „Es müssen auch die richtigen Dinge sein, die man vorantreibt.“ Dass ihr Ansatz erfolgreich ist, zeigt die im vergangenen Jahr erhaltene Aus­zeichnung als eines der innovativsten mittelständischen Unternehmen Deutschlands. In der Anfangsphase des Unternehmens blieb Daniel Braun zunächst noch im Beamtenverhältnis tätig. „Doch irgendwann ließ sich der Spagat mit der Firma nicht mehr aufrechterhalten – und ich habe mich entschieden, Vollzeitunternehmer zu werden.“

Carrybots GmbH, Karlsruhe

Flexibler mit Transportrobotern

Unternehmen verwenden viel Zeit und Aufwand darauf, Produkte und Materialien zum richtigen Zeitpunkt an die richtigen Arbeitsplätze zu bringen. „Mit unse­ren Transportrobotern automatisieren wir den Materialfluss in Betrieben“, erläutert Marcel Meckes, der die Carrybots GmbH nach seinem Abschluss am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mitgegründet hat. Beim Start im Jahr 2021 konzentrierten sich Meckes und sein Team vor allem darauf, kleinen und mittelständischen Unternehmen einen einfachen und kostengünstigen Einstieg in die Transportautomatisierung zu ermög­lichen. „Das ist immer noch unser Schwerpunkt“, so Meckes. „Mittler­weile nutzen aber auch große Unternehmen unsere Lösungen.“ Die Trans­port­roboter verketten beispielsweise Produktionsstraßen und befördern teilmontierte Produkte oder Baugruppen zur jeweils nächsten Montage­station. Bei anderen Kunden mit wechselnden Abläufen ersetzen die flexiblen und mobilen Roboter des Karlsruher Unternehmens bestehende, starre Fördertechnik. Meckes: „In vielen Fällen arbeiten unsere Lösungen deutlich energie­effizienter als herkömmliche Systeme.“ Das inzwischen 20-köpfige Team stammt aus sechs Ländern. „Wir sind als Arbeitgeber attraktiv, weil man bei uns schnell Verantwortung übernehmen kann.“  

Flip GmbH, Stuttgart

Digitale Integration

Wer in der Produktion, im Einzelhandel, in der Gastronomie oder in anderen Arbeitsbereichen ohne festen Bildschirmarbeitsplatz tätig ist, fühlt sich im Unternehmen häufig schlecht integriert. Benedikt Brand, Gründer und Geschäftsführer der Flip GmbH in Stuttgart, entwickelte 2018 die Idee für eine App, mit der Unternehmen auch bislang schwer erreichbare Beschäf­tigte digital einbinden können. Heute nutzen mehr als 500 Unternehmen in Deutschland und Europa die Flip-App, um ihren Beschäftigten Informationen wie Schichtpläne, Anleitungen, Urlaubsanträge und Gehaltsabrechnungen bereitzustellen. Umgekehrt erhalten die Mitarbeitenden über die App Zugang zu Unternehmensinformationen sowie zu Angeboten wie Schulungen und Benefits. Mittlerweile beschäftigt die Flip GmbH rund 120 Mitarbeitende. Gemeinsam entwickeln sie mit Hilfe von KI weitere innovative Funktionen für ihre Kunden. Gründer Benedikt Brand ist überzeugt: „Die digitale Integration der Beschäftigten in das Unternehmen ist für alle Beteiligten ein echter Mehrwert.“

Globe Fuel Cell Systems GmbH, Stuttgart

„Die Zukunft der Energie ist Wasserstoff“

In der Intralogistik ersetzen immer mehr Unternehmen ihre diesel­getriebenen Flurförderfahrzeuge, etwa Gabelstapler, durch Fahrzeuge mit umweltfreundlichen Antrieben. „Die Zukunft der Energie ist Wasserstoff“, zeigt sich Steffen Bäuerle überzeugt. Er gründete gemeinsam mit Dr. Bernhard Wienk-Borgert 2020 die Globe Fuel Cell Systems GmbH. „Wasser­stoffbetriebene Flurförderfahrzeuge lassen sich so schnell betanken wie Dieselfahrzeuge, sind zugleich aber so umweltfreundlich und energieeffizient wie Elektrofahrzeuge.“ Die Brennstoffzellensysteme werden in der Globe-Manufaktur mitten in Stuttgart von einem 25-köpfigen Team entwickelt. Es verfolgt das Unternehmensziel, mit dem die Gründer gestartet sind: „Unsere Vision war von Anfang an, mit wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellen­systemen eine CO2-neutrale Zukunft mitzugestalten.“

Health Data Technologies GmbH, Neckarsulm

Innovationstreiber der Gesundheitswirtschaft

Gute Forschung in der Gesundheitsbranche braucht verlässliche Daten, die oft erst mühsam in aufwändigen Versuchsreihen erhoben werden müssen. „Dabei liegen viele bereits vor, können aber aufgrund technischer Hindernisse und datenschutz­rechtlicher Vorgaben nicht genutzt werden“, schildert Dr. Henrik Matthies, Mitgründer der Health Data Technologies GmbH in Neckarsulm, das Problem. Er und sein 25-köpfiges Team haben dafür eine Lösung entwickelt: Das 2021 gegründete Unternehmen betreibt eine Forschungsplattform, die medizinischen Forschenden den datenschutzkonformen Zugriff auf die Gesundheitsdaten von mehr als 40 Millionen Menschen in Deutschland ermöglicht. Die Informationen werden zum Beispiel von Krankenhäusern, Arztpraxen und Apotheken in Echtzeit bereitgestellt. Das spart nicht nur erheblich Zeit und Kosten, sondern beschleunigt auch die Entwicklung neuer Medikamente. Die Plattform entstand in enger Zusam­men­arbeit mit dem Landesdatenschutz­beauftragten. Für zusätzliche Motivation im Team sorgt die unmittelbare Wirkung ihrer Arbeit: Die Mitarbeitenden erleben, wie die gewonnenen Forschungs­ergebnisse die medizinische Versorgung in Deutschland konkret verbessern. „Wir sind ein Beispiel dafür, dass Baden-Württemberg ein Innovationstreiber in der Gesundheitswirtschaft ist.“

HKK Bionics GmbH, Ulm

Hilfe für gelähmte Hände

Bei Erkrankungen oder nach Unfällen – etwa einem Schlaganfall, Multipler Sklerose oder einer Querschnittlähmung – sind viele Menschen durch Hand­lähmungen stark in ihrer Selbstständigkeit eingeschränkt. „Unser Ziel ist es, Betroffenen ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen“, lautet  die Mission von Dominik Hepp und seinem 27-köpfigen Team. Er gründete 2017, direkt nach seinem Studium der Medizintechnik, die HKK Bionics GmbH in Ulm. Kernprodukt des Unternehmens ist eine Handorthese, die über Sensoren elektrische Muskelsignale auf der Haut erfasst und diese mithilfe eines Elektromotors in greifende, schließende und öffnende Bewegungen umsetzt. Eine Software erkennt dabei die Bewegungsabsicht und verstärkt sie. „Damit unterstützen und erhalten wir vorhandene Funktionen und ermöglichen oft auch eine Wiedereingliederung ins Berufs­leben“, erklärt Hepp. Wie präzise die Unterstützung funktioniert, zeigt sich im Alltag: Mit fein dosierter Kraft können Betroffene selbst empfindliche Gegenstände wie ein rohes Ei halten. Das Team besteht unter anderem aus Medizintechnik-Ingenieuren, Softwareentwicklern sowie Fachkräften aus dem Gesundheitswesen und dem Marketing. Neben einer positiven Arbeits­atmosphäre spielt für viele vor allem der Sinn ihrer Tätigkeit eine zentrale Rolle. „Trotz des großen Fachkräftemangels erhalten wir unglaublich viele Initiativbewerbungen“, berichtet Hepp.

hTRIUS GmbH, Horb am Neckar

Den Erfolg im Rücken

Schwere Lasten, die immer selbe Körperhaltung  und vorzeitige Ermüdung: „In vielen Branchen wie dem Handwerk, der Pflege oder der Industrie ist der Rücken der Beschäftigten besonderen Belastungen ausgesetzt“, erklären Dominik Heinzelmann und Jonas Haag die Einsatzbereiche ihrer Exoskelette. Ihre Mission: „Wir wollen die Lebensqualität der Menschen verbessern.“ Die beiden gründeten 2020 die hTRIUS GmbH und entwickelten das Start-up innerhalb kurzer Zeit zu einem erfolgreichen Hightech-Unternehmen. Ende 2025 bezog das Unternehmen seinen neuen Standort in Horb am Neckar – ein Wachstumsschritt von 230 auf 1.500 Quadratmeter. „Durch die hohe Fertigungstiefe haben wir die gesamte Prozesskette in einer Hand.“ Für ihre Innovationen rund um den ‚BionicBack‘ wurde hTRIUS 2026 mit dem Deutschen Baupreis in der Kategorie Arbeitssicherheit und Gesundheits­schutz ausgezeichnet. Die 42 Mitarbeitenden finden bei ihrem Arbeitgeber nicht nur sichere Arbeitsplätze, sondern auch Benefits zur Förderung der körperlichen und der mentalen Gesundheit.

HyImpulse Technologies GmbH, Neuenstadt bei Heilbronn

Mit Kerzenwachs in den Weltraum

Für die Gründer der HyImpulse Technologies GmbH ging es von Anfang an um mehr als die Entwicklung von Raketen. „Wir wollen den Zugang Europas zum Weltraum durch unabhängige Startfähigkeiten stärken und die niedrige Erdumlaufbahn als Industriezone des 21. Jahrhunderts nutzen“, erläutert Dr. Christian Schmierer. Er gründete das Neuenstädter Unternehmen 2018 gemeinsam mit Mario Kobald, Konstantin Tomilin und Ulrich Fischer als Ausgründung aus dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die Raketen werden dabei mit umweltverträglichem Kerzenwachs und flüssigem Sauerstoff angetrieben. Der dafür benötigte Rohstoff ist aus CO₂‑neutralen Quellen kostengünstig und nachhaltig verfügbar. Mehr als 50 Beschäftigte arbeiten an den Standorten Neuenstadt am Kocher, Ottobrunn und Glasgow daran, nach ersten erfolgreichen Testläufen ab 2027 Satelliten in den erdnahen Orbit – also Höhen über 500 Kilometer – zu transportieren und die bereits gut gefüllten Auftragsbücher abzuarbeiten.

KPG Rotation Solutions GmbH & Co.KG, Albbruck im Landkreis Waldshut

Riesige Generatoren und winzige Roboter

Schon beim Betreten der Werkshalle ist kaum zu übersehen, worum es bei der KPG Rotation Solutions GmbH & Co. KG in Albbruck geht: Bis zu 50 Tonnen schwere Kraftwerksgeneratoren werden hier Schritt für Schritt zerlegt, geprüft und instandgesetzt. „Mit modernster Technik suchen wir nach feinsten Haarrissen, beseitigen Verschleiß, erneuern Komponenten und überprüfen auch die Elektrik genau“, erklärt Geschäftsführer Dr. Manuel Ebi, der das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Dominik und seinem Vater Günter führt. Letzterer hatte 2016 den Grundstein für diese Entwicklung gelegt, als er den damals angeschlagenen Betrieb übernahm und konsequent auf den Generatoren-Service ausrichtete. Eine entschei­den­de Rolle spielen dabei technologische Innovationen. So kommt unter anderem ein selbst entwickelter und nur 20 Millimeter hoher Inspektions­roboter zum Einsatz. Er dringt in das Innere der Generatoren vor und analy­siert deren Zustand präzise. „Dadurch vermeiden wir eine Demontage, wenn nichts repariert werden muss.“ Heute beschäftigt KPG rund 100 Mitarbeitende. Produziert wird in der neu gebauten ‚Fabrik der Zukunft‘ in Albbruck, die energieeffizient konzipiert ist – mit Solaranlage und begrünten Dachflächen. Im April 2026 wurde das Unternehmen für seine Innovations­kraft als eines der 100 innovativsten Unternehmen Deutschlands aus­gezeichnet.

metergrid GmbH, Stuttgart

Win-Win-Strom

Den selbst erzeugten Strom direkt nutzen oder ins öffentliche Netz ein­speisen? Für Vermieter von Mehrparteienimmobilien bietet die metergrid GmbH in Stuttgart eine dritte Option: „Wir bringen lokal erzeugten, sauberen Strom vom Vermieter direkt zu den Mietern“, fasst Mitgründer Julian Schulz das Geschäftsmodell zusammen. Gemeinsam mit seinem Partner Johannes Mewes gründete er das Unternehmen im Jahr 2021. Die Idee: Eine Komplettlösung von der Wirtschaftlichkeitsberechnung über die Kommunika­tion mit Behörden bis hin zu Abrechnungssoftware, Hardware und vollstän­diger Umsetzung der Projekte. Dieses „Mieterstrommodell“ bringt beiden Seiten Vorteile: Vermieter können Solarstrom direkt und vergünstigt an ihre Mieter weitergeben und erzielen dabei höhere Erlöse als bei einer Ein­speisung ins Netz. Gleichzeitig profitieren die Mieter von günstigem, saube­rem Strom. „Diese Win-Win-Situation entspricht auch dem Prinzip einer sicheren und möglichst autarken Energieversorgung“, betont Schulz. „Der Strom wird dort verbraucht, wo er produziert wird.“ Mehr als 60 Beschäftigte treiben diese Vision voran – und haben bereits über 2.000 Projekte für mehr als 50.000 Mieter realisiert.

MICROQORE MEDICAL GmbH, Aach bei Konstanz

Handwerk für den OP-Saal

Wenn es um chirurgische Instrumente geht, steht für Brian Fürderer vor allem eines im Mittelpunkt: Vertrauen. „Im Operationssaal geht es um Leben und Gesundheit – da muss jedes Instrument einwandfrei funktionieren.“ 2019 gründete Fürderer in Aach bei Konstanz die Microqore Medical GmbH und bietet den Beschäftigten zukunftssichere Arbeits- und Ausbildungs­plätze: „Die 30 Mitarbeitenden und drei Auszubildenden geben täglich ihr Bestes, um die Patientensicherheit zu gewährleisten.“ Das Handwerks­unternehmen ist international ausgerichtet und liefert über 500 verschiedene Instrumente in mehr als 50 Länder. Zudem setzt Microqore auf eine hohe Fertigungstiefe. „Für die Herstellung eines einzigen Instru­ments sind mehr als 40 Arbeitsschritte nötig.“ Um auch langfristig wett­bewerbsfähig zu bleiben, arbeitet das Unternehmen derzeit an der Ent­wicklung einer eigenen KI-Anwendung: „Deutschland ist weltweit führend beim Export von mikrochirurgischen Instrumenten – und das soll auch so bleiben.“

Picea Biosolutions GmbH, Offenburg

Für das bloße Auge unsichtbar

Wer die Picea Biosolutions GmbH in Offenburg besucht, sieht ein modernes Vollholzgebäude, Labore sowie zahlreiche Tanks und Petrischalen. Doch der Produktionsprozess selbst bleibt dem bloßen Auge verborgen. „Die winzig kleinen Mikroorganismen erledigen die eigentliche Arbeit“, sagt Daniel Heid mit einem Schmunzeln. Gemeinsam mit seinen Mitgründern Tobias Stadelmann und Thomas Eisele stellt er seit 2022 mithilfe von Bakterien, Hefen, Pilzen und anderen Mikroorganismen Enzyme und Proteine her. Ziel ist es, fossile oder tierbasierte Verfahren in der Lebensmittelindustrie durch ökologische und nachhaltige Prozesse zu ersetzen. Die Einsatzmöglichkeiten dieser „biolo­gi­schen Transformation“ gehen jedoch weit darüber hinaus. So wird daran gearbeitet, den Zucker­gehalt von Lebensmitteln zu reduzieren oder mithilfe von Proteinen Kunst­stoffe zu zersetzen und damit besser recycelbar zu machen. Heid ist überzeugt vom Firmensitz Offenburg: „Ein un­glaublich guter Standort“, sagt er und verweist auf die Nähe zur Hochschule Offen­burg, die gute Verkehrs­anbindung und enge Kooperationen in der Region. Auch international ist das Unternehmen mit inzwischen 35 Mitarbeitenden erfolgreich bei der Fachkräfte­gewinnung: „Toptalente aus der ganzen Welt finden den Weg zu uns nach Offenburg.“

prenode GmbH, Karlsruhe

Wie die KI in die Maschine kommt

Weniger Ausschuss, geringerer Energieverbrauch und schnellere Produk­tion: Die KI eröffnet dem industriellen Mittelstand erhebliche Effizienz­potenziale, die die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig stärken können. Doch der Weg von der Theorie in die Maschine ist oft komplex. Hier setzt die prenode GmbH aus Karlsruhe an. „Wir haben eine Software entwickelt, die Maschinen versteht“, bringt Gründer Dr. Robin Hirt das Geschäftsmodell von prenode auf den Punkt. Die Technologie macht bislang ungenutzte Maschinendaten zugänglich und schafft so die Basis für umfassende Optimierungen im Produktionsprozess. „Wir brechen Datensilos auf und entdecken oft ganz neue Zusammenhänge“, so Hirt, der bereits mit 16 Jahren sein erstes Start-up gründete. Worauf er besonderen Wert legt, ist Datensouveränität. „Die Unternehmen behalten jederzeit die volle Kontrolle über ihre Daten“, betont er. Das 15-köpfige „Käpsele-Team“ verfügt über ein hohes Maß an Expertise, wie die Auszeichnungen als ‚KI Champion BW‘ und beim Wettbewerb ‚Cyberchampion Award‘ zeigen.

SAM-DIMENSION GmbH, Stuttgart

Intelligenter Pflanzenschutz

In der Landwirtschaft besteht häufig ein Zielkonflikt zwischen Ertrags­sicherung und Umweltschutz. Dr. Robin Mink und Dr. Alexander Linn haben jedoch einen Weg gefunden, beides miteinander zu verbinden: „Mit intelli­gentem Pflanzenschutz lassen sich bis zu 90 Prozent der Herbizide einsparen“, sind sich die Gründer der Stuttgarter SAM-DIMENSION GmbH sicher. Hinter der Ausgründung aus der Universität Hohenheim steht ein 14‑köpfiges internationales Team aus den Bereichen Agrarwissen­schaf­ten, Softwareentwicklung, KI und der Steuerung von Drohnen. Ihr Ansatz: Zunächst überfliegt eine Drohne die Felder und erstellt hoch­auflösende Bilder, genau gesagt entspricht dabei jeder Bildpunkt in der Realität einer Fläche von 1,6 x 1,6 Millimetern. Das ist ein extrem hoher Detailgrad. Anschließend analysiert eine KI die Aufnahmen und erkennt präzise, wo Unkräuter wachsen und wo nicht. Auf dieser Grundlage werden Herbizide GPS‑gesteuert punktgenau nur noch auf die tatsächlich betroffenen Stellen ausgebracht. Das senkt Kosten für die Landwirte, schützt die Umwelt und schont zugleich die Nutzpflanzen. Ein zusätzlicher Vorteil: Die von der KI erstellte  „Spot-Spray Map“ kann auch für die langfristige Optimierung der Anbaustrategie genutzt werden.

sutter³ GmbH & Co KG, Freiburg

Übernahme gegen Abriss

Alte Schulen, verlassene Rathäuser, leerstehende Wirtshäuser: Wenn viele Menschen denken, „das kann man doch nur abreißen“, kommt die sutter³ GmbH & Co. KG aus Freiburg ins Spiel. Das 2017 vom ursprünglichen Gründer übernommene Unternehmen findet Wege, solche Gebäude nicht nur zu erhalten, sondern ihnen mit neuen Nutzungskonzepten eine wirtschaftlich tragfähige Zukunft zu geben. „Wir stehen für die Sanierung meist denkmalgeschützter Gebäude und historischer Bauwerke“, erläutert Cornelia Haas, die als Architektin das Unternehmen seit 2020 gemeinsam mit Axel Bürk, Oliver Hug und Daniel Steiger führt. Der Erfolg dieser Über­nahme war kein Zufall, sondern das Ergebnis eines länger angelegten, gemeinschaftlichen Prozesses. „Der Senior hat immer wieder geeignete Beschäftigte angesprochen und war auch nach der Übergabe noch länger bei uns aktiv.“ Sich selbst sieht Haas auch als Beispiel dafür, dass sich Karriere und Familie vereinbaren lassen und man in Führungsverantwortung hinein­wachsen kann: „Jedes Projekt bietet die Chance, sozial wirksam zu werden und über den Tellerrand zu schauen.“ Dieser „Spirit“ trägt auch wirtschaftlich Früchte: Mittlerweile beschäftigt sutter³ rund 30 Mitarbeitende und bildet für den eigenen Bedarf aus.

Till & Brot, Freiburg

Brot vor Ort

„Stell dir vor, du backst 200 Brote – und niemand kommt.“ So beschreibt Tillmann Gurka das Gefühl, als er Anfang 2022 erstmals die Türen seiner Bäckerei für die Kundschaft öffnete. Dabei hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits einige Hürden überwunden: Schon mit 13 Jahren stand er als Schülerpraktikant in der Backstube, begann mit 15 seine Ausbildung und war mit 20 der jüngste Bäckermeister Baden-Württembergs. Als er die Gründung seiner eigenen Bäckerei plante, war für ihn klar, dass die Zutaten aus der Region stammen müssen. „Das Freiburger Umland bietet alles, was man für gutes Brot braucht.“ Dieser lokale Ansatz zahlte sich schon während der Corona-Pandemie aus: „Unsere Beschaffungspreise sind damals kaum gestiegen.“ Der per­sönliche Kontakt – etwa zu Getreideanbauern oder Mühlenbetreibern – ist Gurka ebenso wichtig wie die Nähe zu den Menschen im Freiburger Güterbahnhofsviertel, in dem Till & Brot ansässig ist. „Wir achten auf bezahlbare Angebote und unterstützen soziale Aktionen in unserem Viertel.“ Dabei verliert er den Kern seines Angebots nicht aus dem Blick: Gemeinsam mit neun Mitarbeitenden und drei Auszubildenden konzentriert sich Gurka nach dem Motto „Sauerteig statt Fertigmischung“ bewusst auf nur fünf Brotsorten. Und wie war nun der erste Tag nach der Eröffnung? „Der war tatsächlich zunächst eher ruhig“, erinnert sich Gurka. „Doch schon bald bildeten sich lange Schlangen vor der Verkaufstheke.“

Wasser 3.0 gGmbH, Karlsruhe

„Ökologie ist unser Geschäftsmodell“

Forschung oder Wirtschaft? Für Dr. Katrin Schuhen stellt sich diese Frage nicht. Sie studiert Chemie und promoviert, macht Karriere in der Industrie und kehrt später als Professorin an die Universität zurück. Doch dort merkt sie, was ihr fehlt: „Die Umsetzung der Lösungen, die ich für das Problem von Mikroplastik im Wasser entwickelt hatte.“ Die Konsequenz folgt 2020: Schuhen geht zurück in die Wirtschaft und gründet die gemeinnützige Wasser 3.0 gGmbH in Karlsruhe. Mit ihrem fünfköpfigen Team berät sie Unternehmen dabei, Mikroplastik aufzuspüren, aus dem Wasser zu entfernen – und als Rohstoff zu nutzen. Ab 2028 sollen auf diese Weise jährlich zehn Tonnen Mikroplastik weniger in den Wasserkreislauf gelangen. Zusätzlich versucht Schuhen, über Bildungsarbeit die Menschen für das Problem Mikroplastik zu sensibilisieren. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern untersucht ihr Team Gewässer und macht das Thema greifbar. Und die Forschung? Die bleibt auch als Unternehmerin ein wichtiger Antrieb. Sämtliche Gewinne des Unternehmens fließen zurück in wissenschaftliche Arbeit und Bildung. Das gilt ebenso für die Erlöse ihres Buches ‚Kriminalfall Mikroplastik – Ermittlungen in einem Jahrhundert­verbrechen‘ „Ökologie“, sagt sie, „ist unser Geschäftsmodell.“ Das Unter­nehmen wurde bereits mit dem Innovationspreis und dem Umwelttechnik­preis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

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