Interview mit Edith Weymayr

Konjunktur im Südwesten: Das dritte Quartal bringt spürbaren Aufwind

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Die konjunkturellen Aussichten für Baden-Württemberg haben sich im dritten Quartal spürbar aufgehellt. Der L‑Bank-ifo-Geschäftsklimaindex ist seit Juni kräftig von -14 auf -4 Punkte gestiegen und liegt damit aktuell auf dem höchsten Stand seit April 2024. Sowohl die Lagebeurteilung als auch die Geschäftserwartungen der Südwestunternehmen haben zuletzt einen klar positiven Trend gezeigt.  

L‑Bank-Vorstandsvorsitzende Edith Weymayr: „Die bessere Stimmung zeigt sich derzeit in fast allen Wirtschaftsbereichen. Das Geschäftsklima hat sich im dritten Quartal im Verarbeitenden Gewerbe, im Dienstleistungssektor und auch im Handel spürbar aufgehellt. Lediglich im Baugewerbe stagniert die Stimmung noch."

Karlsruhe, 08.10.2026. Die konjunkturellen Aussichten für Baden-Württemberg haben sich im dritten Quartal spürbar aufgehellt. Der L‑Bank-ifo-Geschäftsklimaindex ist seit Juni kräftig von -14 auf -4 Punkte gestiegen und liegt damit aktuell auf dem höchsten Stand seit April 2024. Sowohl die Lagebeurteilung als auch die Geschäftserwartungen der Südwestunternehmen haben zuletzt einen klar positiven Trend gezeigt.  

Über die Hintergründe dieser Entwicklung sowie die weiteren Chancen und Herausforderungen für die baden-württembergische Wirtschaft haben wir mit Edith Weymayr, der Vorstandsvorsitzenden der L‑Bank, gesprochen. 

Frage: Frau Weymayr, die Stimmung der baden-württembergischen Betriebe hat sich zuletzt deutlich verbessert. Ist das nur eine Momentaufnahme oder deutet sich tatsächlich eine nachhaltige Erholung an? 

Antwort: Neben den Stimmungsindikatoren zeichnen auch die amtlichen Wirtschaftsdaten ein zunehmend freundlicheres Bild: Nach Angaben des Statistischen Landesamtes ist das Bruttoinlandsprodukt Baden-Württembergs im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,4 Prozent gestiegen. Nach drei Jahren der Rezession ist das ein wichtiges und ermutigendes Signal.  

Zudem entwickelt sich Baden-Württemberg damit besser als Deutschland insgesamt, wo die Wirtschaftsleistung im gleichen Zeitraum um 0,9 Prozent zulegte. 

Besonders erfreulich ist zudem: Die bessere Stimmung zeigt sich derzeit in fast allen Wirtschaftsbereichen. Das Geschäftsklima hat sich im dritten Quartal im Verarbeitenden Gewerbe, im Dienstleistungssektor und auch im Handel spürbar aufgehellt. Lediglich im Baugewerbe stagniert die Stimmung noch. 

Das alles deutet darauf hin, dass die Erholung inzwischen auf einem breiteren Fundament steht, es also nicht nur eine Momentaufnahme ist. 

Frage: Kann sich dieser positive Trend in den kommenden Monaten fortsetzen? 

Antwort: Zumindest aus heutiger Sicht gibt es gute Gründe für vorsichtigen Optimismus. Die Unternehmen bewerten nicht nur ihre aktuelle Lage besser, sondern auch ihre Geschäftsaussichten für die kommenden Monate sind deutlich zuversichtlicher als noch im Frühjahr. Das spricht dafür, dass die wirtschaftliche Dynamik zunächst anhalten könnte. Dazu passt auch das Signal unseres L‑Bank-ifo-Frühindikators. Dieser deutet auch für den weiteren Jahresverlauf auf einen Aufwärtstrend der Wirtschaftsleistung in Baden-Württemberg hin. Natürlich bestehen weiterhin Risiken, etwa durch geopolitische Unsicherheiten oder die internationale Handelspolitik. Derzeit überwiegen jedoch die Anzeichen, dass Baden-Württemberg seine lange Schwächephase Schritt für Schritt hinter sich lassen könnte. 

 

Frage: Die Unternehmen werden also optimistischer. Gilt das auch für die Menschen im Land? 

Antwort: Bei den Privathaushalten ist von der neuen Zuversicht bislang leider noch wenig zu spüren. Ein wesentlicher Grund sind die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten und ihre massiven Auswirkungen auf die Energiepreise. Vor diesem Hintergrund ist die Inflationsrate in Baden-Württemberg im September noch einmal kräftig auf 2,9 Prozent gestiegen. Angesichts dieser Entwicklung befindet sich das L‑Bank-GfK-Anschaffungsklima mit -28 Punkten derzeit auf dem niedrigsten Stand seit fast zweieinhalb Jahren. Viele Menschen sind bei größeren Ausgaben also weiterhin zurückhaltend, sodass von Verbraucherseite vorerst keine nennenswerten konjunkturellen Impulse ausgehen dürften.

 

Frage: Werfen wir abschließend noch einen Blick auf die Stimmungslage im Wohnungsbau. Ist hier eine neue Dynamik erkennbar? 

Antwort: Der Wohnungsbau bleibt noch ein „Sorgenkind“, die Stimmung stagniert dort auf niedrigem Niveau. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Häufig werden von den Betrieben noch immer fehlende Aufträge auf der einen und ein Mangel an Fachkräften auf der anderen Seite als Problemfelder genannt. Gerade die Kombination aus hohen Baukosten, dem gestiegenen Zinsniveau und strukturellen Engpässen stellt die Branche weiterhin vor erhebliche Herausforderungen. 

Frage: Gibt es trotz der anhaltenden Schwierigkeiten Anzeichen dafür, dass der Wohnungsbau in den kommenden Monaten wieder an Dynamik gewinnen könnte? 

Antwort: Hoffnung macht die Entwicklung der Baugenehmigungen im bisherigen Jahresverlauf. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes wurden im ersten Halbjahr 2026 in Baden-Württemberg mehr als 14.800 Neubauwohnungen genehmigt. Das sind rund 34 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum, es geht also aufwärts. Bis aus Genehmigungen tatsächlich neuer Wohnraum entsteht, vergeht zwar erfahrungsgemäß einige Zeit. Die steigenden Genehmigungszahlen sind jedoch ein wichtiges Signal dafür, dass sich die Rahmenbedingungen allmählich verbessern und der Wohnungsbau mittelfristig wieder an Dynamik gewinnen könnte. 

Hintergrund:

Für den L‑Bank-ifo-Konjunkturbericht werden monatlich über 1.200 Unternehmen zu ihrer Einschätzung der aktuellen Geschäftslage sowie ihren Erwartungen für die nächsten sechs Monate befragt. An der L‑Bank-GfK-Verbraucherumfrage zur Ermittlung des Preis-, Konjunktur-, Einkommens- und Anschaffungsklimas beteiligen sich in der Regel rund 300 Privatpersonen.

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    Die konjunkturellen Aussichten für Baden-Württemberg haben sich im dritten Quartal spürbar aufgehellt. Der L‑Bank-ifo-Geschäftsklimaindex ist seit Juni kräftig von -14 auf -4 Punkte gestiegen und liegt damit aktuell auf dem höchsten Stand seit April 2024. Sowohl die Lagebeurteilung als auch die Geschäftserwartungen der Südwestunternehmen haben zuletzt einen klar positiven Trend gezeigt.

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    Eingestellt am 08.10.2026
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